Donnerstag, 15. Dezember 2016

Wetter und Klima: Wie der Polarwirbelsplit zum Rohrkrepierer wurde!

Wiesbaden, den 15. Dezember 2016 - Ende Oktober war er in alle Munde: der Polarwirbelsplit, der Deutschland einen eisigen Winter mit viel Eis und Schnee bescheren sollte. Es war von einem frühen Wintereinbruch die Rede, schon im November sollte der Winter durchstarten.

Doch: Wirklich viel passiert ist in Sachen Winterwetter bis heute nicht. Ganz im Gegenteil. Die Wetterlage dümpelt eher in ruhigen Bahnen vor sich hin. Der November war unterm Strich völlig durchschnittlich temperiert, die erste Dezemberhälfte ist sogar rund 1,5 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt.

Von Eis und Schnee fehlt jede Spur. Selbst in den deutschen Mittelgebirgen muss man nach Schnee fast schon mit der Lupe suchen. Auf dem über 1000 m hohen Brocken im Harz liegt gerade mal ein kümmerlicher Zentimeter.

Dabei war es bereits damals absehbar, dass das mit extremer Kälte und viel Schnee nichts werden würde. Bekannte Klimamodelle wie das vom amerikanischen Wetterdienst NOAA waren im Vorfeld durchweg von einem durchschnittlichen bis leicht zu warmen Winter ausgegangen und sie tun das auch weiterhin.
aktueller Monatstrend Januar 2017: durchschnittliche Temperaturen, Quelle: NOAA
Für den Februar gehen die Experten aus Übersee sogar von einem bis 2 Grad zu warmen Monat aus.
aktueller Monatstrend Februar 2017: europaweit wärmer als üblich, Quelle: NOAA
Es war von Anfang an falsch sich nur auf eine einzelne Komponente, den Polarwirbel, zu beschränken und daraus Rückschlüsse für eine gesamte Jahreszeit zu ziehen.

Die Atmosphäre ist viel zu komplex, um es sich so einfach zu machen. Auch bei den Monatstrends des amerikanischen Wetterdienstes NOAA spielt natürlich das Verhalten des Polarwirbels eine Rolle. Aber: es ist nur eine Größe von vielen die in die umfangreichen Berechnungen einfließt.

Letztlich gilt aber auch bei den Monatstrends: Es sind und bleiben lediglich klimatologische Wettertrends und es sind keine echten Wettervorhersagen. Bitte richtet nicht Eure Urlaubsplanung danach aus.

Ich sehe es trotzdem als seriös an, diese Trends zu thematisieren, da sie nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen erstellt werden. Wieso sollte man diese Ergebnisse der Allgemeinheit vorenthalten?

Immerhin wurde bereits 2008 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Programm der ARD zur Primetime eine komplette Jahresvorhersage vorgestellt.

Auch der Deutsche Wetterdienst hat seinen aktuellen Jahreszeitentrend für den Winter 2016/2017 aktualisiert.
Jahreszeitentrend Winter 2016/2017, Quelle: Deutscher Wetterdienst
Mit 40 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit für einen "durchschnittlichen" Winter vorne. Die Wahrscheinlichkeiten für "zu warm" und "zu kalt" liegen allerdings nur knapp dahinter. So wirkliche Rückschlüsse kann man daraus jedoch nicht ziehen.

So oder so: von extremer Kälte und schneereichen Zeiten sind wir aktuell weit entfernt. Bis Weihnachten wird sich kein Winterwetter einstellen. Was danach passiert ist noch offen.

Aber: Nach einem durch einen Polarwirbelsplit verursachten extrem kalten und schneereichen Januar oder Februar sieht es derzeit nicht aus.

Spätestens Ende Februar 2017 sind wir alle schlauer!

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